Veröffentlicht in Allgemein, Erfahrungsberichte

Die Perle

Beitrag von: Deiner Maus
Meist enden unsere Geschichten ja, wenn die Opfer raus aus der Nummer sind. Ich hab vor ein paar Tagen ein Bild mit einem schlauen Spruch im Netz gefunden und da kam mir diese Story wieder in den Sinn. Sie soll Mut machen und keine Abrechnung sein. Bisher hab ich sie erst einmal für mich behalten, nun passt es aber irgendwie, auch im Bezug auf das ‚Vergeben‘. Diesmal hat sich die Autorin den Alias selbst ausgesucht, und diesmal hab ich es angenommen, denn er ist übertragbar. Die Story ist ein Beleg dafür, dass überall etwas Gutes erwachsen kann, wenn man das denn auch will. Here we go:

Vorgeschichte: 7 Monate, nachdem ich ausgezogen bin, weil ich mit der Pornosucht und dem narzisstischen Verhalten meines Mannes nicht mehr umgehen konnte und die Schmerzgrenze weit überschritten war, kam es zu einem erneuten Übergriff. Im Mai diesen Jahres ist mein Ex-Mann, angestachelt durch seine neueste Internetbekanntschaft, noch einmal mit Benzinkanister und Flammenwerfer (bildlich gesprochen) durch das bisschen Leben, das ich mir bis dahin aufgebaut hatte, gewalzt und hat alles zerstört, was an Positivem da war. Hormongesteuert und aufgeputscht durch falsche Informationen der ‚Dame‘, begann er zu zerstören, wovon er wusste, dass es mir viel bedeutet. Dadurch habe ich einen Arbeitsplatz, eine neue Wohnung, meine geplante Zukunft, verloren. Bis ich die Scherben wieder zusammen gekehrt hatte, war ich länger auf Hartz4 angewiesen, als geplant. Mit allen ‚Nettigkeiten und Annehmlichkeiten‘ die man so auf dem Amt erfährt. Wohl wissend, dass ich psychisch schon schwer angeschlagen war und das kaum aushalten konnte. Und weil das noch nicht reichte, wurde mir auch noch aufgezwungen, meine eingelagerten Sachen binnen kürzester Zeit abzuholen oder sie würden ‚entsorgt‘. Eine weitere Gemeinheit, um der damaligen Dame des Herzens zu beweisen, dass sein Leben in Ordnung ist und sie sich mit ihm einlassen könne. Ich habe dann das Schriftstück unterschrieben, und war somit meine letzten Erinnerungsstücke und Unterlagen los. Rein technisch und auch finanziell war es mir damals nicht möglich, die Sachen im vorgeschriebenen Zeitraum abzuholen, und das wusste mein Mann auch.

Mich hat das auch psychisch schwer zurückgeworfen, denn es war wieder ein gebrochenes Versprechen (Du kannst die Sachen 3 Jahre hier lassen, oder bis du eine bessere Unterkunft hast) . Ich konnte nicht verstehen, das ein bis dahin vernünftiges ‚Trennungsverhältnis‘ innerhalb von 1 Woche kaputt gehen musste, nur weil jemand ihm Blödsinn (nachweislich falsche Informationen) ins Ohr geflüstert hat. Ich konnte auch damals nur schwer damit umgehen, dass 16 Jahre nicht mehr gelten, als eine Bettgeschichte. Damals wusste ich noch nciht viel über Pornosucht und deren Auswüchste Dass ein Mensch, der sich eingesetzt hat, Wege geebnet, den Rücken gestärkt und immer gedeckt hat, was auch immer passiert ist, weniger wert sein soll, sie das Gschpusi für ne Nacht im Hotel. Als dann auch noch klar wurde, dass ich nur gut genug war, um das neue Umfeld in einer fremden Stadt, zu gestalten und heimelig zu machen, den Umzug zu organisieren und unser Haus gemütlich zu machen, dann aber gehen sollte/musste. (Ohne dich hätte ich da nie geschafft! jetzt hab ich Fuß gefasst) Das war zu viel. Auch die Ausflüchte: heute ist das halt so. Man bleibt nicht mehr so lange zusammen. Beziehungen müssen ‚dynamisch‘ sein. Du bist altmodisch.“ Manchmal denke ich: hättest du nur ab und zu mal den Kopf aus dem PC genommen, dann hättest du gesehen, was du hattest! Sicher, ich hatte auch meinen Anteil. Und der ist nicht klein. Ich hätte viel früher auf die Sucht und die Persönlichkeitsveränderungen reagieren müssen, ich hätte nie decken und nachgeben dürfen, unbequemer für ihn hätte ich sein müssen. Das kann ich heute nicht mehr ändern. Und das muss ich mit mir selbst ausmachen, das ist mein Versagen.

Kurz: es war noch mehr kaputt, als bei meinem Auszug. Meine emotionale Situation wurde durch die Rückschläge auch nicht besser. Ich war maßlos enttäuscht. Irgendwann dann auch wütend. Und es kam auch der Punkt, an dem ich dachte: Du Mistkerl, dir zeig ich es. Und es hat auch lange gedauert, bis ich für mich vergeben konnte, was aber nicht bedeutet, dass er die Aboslution bekommen hat! Das wird sein ‚Karmakonto‘ regeln! Das geht mich nichts an! Dennoch, ich wollte wieder auf die Füsse kommen. Lange wusste ich nicht, wie. Ich kam mir vor, wie ein Fisch oder eine auster in total verdrecktem Wasser.

Aber meine Enttäuschung und die Verletzungen haben mir auch geholfen. Ich bin heute härter und unnachsichtiger, als ich es damals war. Niemand verbietet mir mehr den Mund! Ich gebe mich nicht mehr mit Aussagen zufrieden und ich hab angefangen, mein Leben umzuplanen. Ich habe die Ziele, die ich hatte, anders gesteckt.  Genau 1 Jahr nach meinem Auszug hat sich meine Auster ganz von alleine geöffnet! Und es kam eine wunderschöne Perle zum Vorschein. Eine Perle, die mein Leben besser macht, als es war. Sie schillert und sie ist echt. Kein Fake, nicht aus Betrug und Lügen erwachsen, sondern aus meiner Arbeit (an mir und an meiner Lage). Und sie ist groß. Größer, als ich je erwartet habe. Gäste kommen wieder in mein  Haus, sie bleiben auch und fühlen sich nicht vergrault. Ich gehe aus und erlebe endlich wieder wunderbare Dinge. Ich hab ein Freiheitsgefühl, wie seit 5 Jahren nicht mehr.  Ich bin so produktiv und kreativ, wie lange nicht mehr. Bald stehe ich wieder auf ganz eigenen Füssen, kann zurückblicken auf etwas, das ich alleine geschaffen habe, aus dem Nichts, aus einem kaputten Leben. Vielleicht wäre das ohne die Rückschläge und Grausamkeiten so nie passiert! Und vielleicht lerne ich auch wieder jemanden zu lieben und vertrauen. Es ist etwas Gutes erwachsen! Durch meine Kraft und meine Stärke! Durch mein Lernen!

Meine Perle ist wunderschön und schillert!

Veröffentlicht in Allgemein, Vertrauen und Verzeihen

Vergeben und Verzeihen

Die Diskussion poppt immer wieder an allen möglichen Ecken und Enden auf. Und manchmal bereitet sie mir auch schlaflose Nächte. Und manchmal fehlen mir auch die Formulierungen und Worte, um zu beschreiben, was dazu in meinem Herzen und Bauch vor sich geht.

Beim stöbern heute Nacht bin ich über einen Artikel in Wikipedia gestoßen (ja ich weiß, es ist nicht meine bevorzugte Plattform). Diesmal hab ich aber da einen Punkt gefunden, der ganz gut beschreibt, welche Geister da in mir ringen!

Was Vergebung nicht ist

Vergebung kann von niemandem gefordert werden. Sie erfolgt ausschließlich nach freier Entscheidung der Person in Opferposition. Die Bitte eines Täters um Vergebung ist in aller Regel hilfreich. Vergebung bedeutet nicht:[6]

  • Vergessen − Die Verletzung wird nicht mehr erinnert.
  • Nachsicht − Die Verantwortlichkeit des Täters wird relativiert.
  • Akzeptanz − Die Verletzung bzw. deren Folgen werden akzeptiert.
  • Billigung − Die Person in Opferposition äußert Zustimmung oder Einwilligung.
  • Begnadigung − Eine vorgesehene/angedachte Strafe wird dem Täter erlassen.
  • Verleugnung − Unvermögen bzw. mangelnder Wille, eine Verletzung als solche wahrzunehmen.
  • Rechtfertigung − Die verletzende Handlung wird im Nachhinein durch Argumente gerechtfertigt.

Vergeben und Verzeihen sind nicht gleich Versöhnung. Versöhnung bedeutet zusätzlich zur Verzeihung, dass beide Seiten unbelastet von der Verletzung die vorbestehende Beziehung fortsetzen wollen.[4] Nach der Vergebung kann eine Beziehung auch beendet werden; d. h. es kommt zu keiner Versöhnung, jedoch wird nichts nachgetragen. Eine Versöhnung ist nur sinnvoll, wenn der Täter Reue zeigt und Wiedergutmachung leistet. „Versöhnung fordert, dass die Parteien ihr Vertrauen zueinander erneuern.“ Bei Vergewaltigung oder physischer bzw. emotionaler Gewalt (z. B. in der Partnerschaft) kann das Opfer sich zur Vergebung entschließen. „Wenn der Täter [jedoch] keinerlei Reue zeigt und sich nicht ändert, ist Versöhnung ausgeschlossen.“[8] (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Vergebung_(Psychologie))

Da werden genau die Probleme benannt, die mich immer mit dem Begriff ‚Verzeihen‘ haben hadern lassen. Und die es mir auch lange unmöglich gemacht haben, zu verzeihen! Das Freisprechen, die Akzeptanz und Billigung  von der Schuld des Verursachers. Für mich bleibt die aber bestehen. Vor allem, wenn geleugnet und verschleiert wird. Wenn die Einsicht fehlt.

Was mir auch ein Problem ist/war, wenn von der Verursacher/Täter-Seite das das Verzeihen eingefordert wird, manchmal begleitet von Sätzen wie: ‚verzeih mir, dann geht‘s dir besser‘ ! Nein, ich will dich nicht aus der Verantwortung lassen! Das war dabei immer mein erster Gedanke. Und wenn ich dann noch sehe und spüre, dass kein Bereuen da ist, dass genau so weitergemacht wird, wie vorher, dann fiel es mir um so schwerer zu verzeihen.

Ich konnte für mich persönlich und in mir verzeihen, nachdem ich für mich genau das auseinander klamüsert und verstanden hatte.

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Licht und Liebe

Wo Licht ist, da ist es hell! Alles ist beleuchtet! Man kann besser sehen! Sich selbst, aber auch den anderen! Wo es hell ist, da gibt es ‚Erleuchtung‘! Man kann lernen! Über sich selbst, das Leben und über die Anderen! Man findet auch die Schmutzecken…..

Und die Liebe, die ist dann die Belohnung, wenn man das Licht richtig nutzt!

Aber manche ziehen dann einfach die Sonnenbrille auf oder machen das Licht aus…..

Die sehen dann auch nicht (alles), finen die Dreckecken nicht, und sie lernen nicht und sie bekommen auch keine Belohnung!

Veröffentlicht in Das Leben danach

Die Hand

– sie ist in deinem Rücken und stärkt dich

wenn du weiter kannst, schüttelst du dich.

– sie fängt dich auf

du lässt dich halten, und beisst sie dann

– sie streckt sich dir entgegen

du schaust weg

– sie gibt dir alles

du nimmst und schlägst drauf

– sie bittet dich

du drehst dich weg und schneidest in sie

– sie ist kaputt und verbunden

du sagst: Was hast du wieder gemacht? Kannst du nie was richtig machen?

Da war die Hand….

Du suchst die Hand……….

Sie ist geheilt, aber vernarbt.

Und sie ist ganz bei mir!

Veröffentlicht in über Pornosucht

Besser gestorben, als das!

Das war der Schlüsselsatz für mich an diesem Treffen im Oktober. Und ich war schockiert und gleichzeitig erleichtert, wie viele von den Partnern, die anwesend waren, genau das Gleiche gedacht haben. Wenigstens einmal in einer durchwachten und durch trauerten Nacht. Dabei geht es nicht um eine Strafe für den Pornosüchtigen. Uns war allen klar, dass er krank ist, uns aber in eine furchtbare, traurige, verzweifelte oder schlimme Lage gebracht hat. Durch die Sucht. Er selbst hat kein Maß mehr für das ‚normale‘, für das, was ihm gut tut, was eine gesunde Beziehung bedeutet.. Wir wissen, dass und wie er sich schadet. Es geht nicht darum, dass wir ihm was Schlechtes wünschen.

Es geht um unsere Gedanken und Gefühle und wie wir damit klar kommen. Der Auslöser für diesen, oberflächlich gesehen, schlimmen Gedanken ist vielfältig. Genauso wie die Ausmaße der Sucht und der Leidensfähigkeit der einzelnen Partnerin. Gemeinsam war uns allen, dass wir im ersten Moment sehr erschreckt sind. Aber der Gedanke war uns allen nicht fern oder fremd, obwohl wir genau wussten, dass es sich um eine tiefliegende psychische Störung handelt, die oft auf Missbrauch in der frühen Jugend zurückgeht.

Die meisten von uns haben unsere Partner nicht verlassen, weil wir keine Gefühle mehr für ihn hatten, manche liebten sogar noch lange Zeit nach der Trennung und blieben ewig alleine.

Wir haben darüber gesprochen, und der Grundgedanke war ein simpler: Es wäre leichter gewesen, wir hätten unseren Partner durch den Tod verloren und nicht an die Sucht. Leichter für uns. Denn wir wären nicht betrogen worden, belogen, verletzt, nicht gedemütigt. Der Tod ist eine natürliche Sache. Die Sucht nicht. Die Begleiterscheinungen der Pornosucht sind auch, dass der Süchtige den Partner für seine Sucht verantwortlich macht, bzw. ihn soweit bringt, sich selbst als sexuell, körperlich und in der Partnerschaft als ungenügend zu empfinden. Das sind teilweise so nachhaltige Folgen, dass manche nicht fähig oder auch gewillt sind, eine andere Beziehung einzugehen. Zumindest nicht ohne tiefgreifende Therapie.

Wäre er gestorben, dann wäre mir die Scham, der Selbstzweifel, die Demütigung und diese Art der Verzweiflung erspart geblieben. Ich hätte nie die Bilder sehen müssen, die ich gesehen habe, ich hätte nie hören müssen, was ich für eine ‚schlechte‘ , ‚hässliche‘ unerotische‘ Partnerin bin.

Es wäre leichter gewesen, gemessen an all dem, was wir in der zeit der Beziehung erlebt haben.

Veröffentlicht in Allgemein, über Pornosucht, Narzissten

Warum hab ich es nicht gemerkt

Auch ich hab mich lange gefragt, warum ich das nicht früher gemerkt habe. In den Gesprächen im Oktober mit anderen Betroffenen kam diese Frage immer wieder hoch und wurde heiß diskutiert.

Ich bin jetzt in einem anderen Forum über einen interessanten Beitrag gestoßen, den ich hier gerne verlinken möchte.

http://umgang-mit-narzissten.de/warum-man-den-missbrauch-nicht-frueher-erkennt/

Einige Kernpunkte daraus möchte ich direkt zitiren:

Opfer von narzisstischen Missbrauch ärgern sich noch lange Zeit nach der Trennung von dem Narzissten über ihre Dummheit, die Misshandlungen nicht schon viel früher entdeckt zu haben. Nachdem sie den Narzissmus verstanden und die perversen Muster in der Beziehung erkannt haben, sitzen sie nur noch kopfschüttelnd vor ihrem Schicksal und sind regelrecht fassungslos, dass sie so etwas mit sich haben machen lassen.

Dann taucht die Frage nach dem WARUM immer wieder im Kopf auf: Warum habe ich es zugelassen? Warum habe ich es nicht gesehen? Warum durfte ein Mensch so über mich verfügen? Warum musste mir das passieren? WARUM?

Diese Fragen tauchen immer im Prozess der emotionalen Befreiung auf und müssen befriedigend beantwortet werden. Dabei sollten Sie jedoch fair mit sich umgehen und nicht in permanenten Selbstvorwürfen ersticken. Sie sind doch mit guten Absichten in die Beziehung gegangen und glaubten, Ihrem Partner vertrauen zu können. Was ist an dieser Vorgehensweise auszusetzen? Das Gute im Partner zu sehen und auf schöne, gemeinsame Zeiten zu hoffen, sind doch die Grundvoraussetzung für eine glückliche Partnerschaft. Und es ist doch ganz selbstverständlich, dass Sie davon ausgegangen sind, dass ihr Partner dieselben Absichten hat. Würden Sie heute wieder in eine neue Beziehung gehen und von vornherein davon ausgehen, dass sie missbraucht werden?

Ich empfehle Euch diese Seite, denn sie hilft wirklich mit vielen nützlichen Informationen und gibt den betroffenen Opfern auch Denkanstöße.

Lasst Euch nie mehr sagen, ihr wäret ungenügend, zu dumm, zu dick, zu dünn, zu unfähig, zu alt, nicht sexy genug, zu was auch immer! Das ist Teil der Masche. Informiert Euch, holt Euch Hilfe. Und nein, der Lösungsprozess geht nicht in kurzer Zeit. Ich habe jetzt eine Frau kennenlernen dürfen die noch 5 Jahre nach der Trennung mit den ‚Nachwirkungen‘ zu kämpfen hat! Aber auch sie ist auf einen für sie wunderbaren Weg. Habt Mut, ihr seid stärker, als ihr denkt und wie man Euch glauben machen wollte!