Veröffentlicht in Narzissten

Therapie für Narzissten

Das ist ein Themenbereich, der mich und viele der Partner sehr beschäftigt. Dabei bin ich immer wieder über Sätze, wie: „Man kann schon zufrieden sein, wenn sich das empathische Gefühl gegenüber den Mitmenschen verbessert und der Narzisst sich den Auswirkungen seines Verhaltens bewusster wird.“ gestolpert. Und das meine ich jetzt im wahrsten Sinne des Wortes. Diese pauschale Aussage: ist nicht therapierbar, man kann es nur eingrenzen! Die fand und finde ich traurig. In einer email hat mir eine betroffene Partnerin den Link zu folgender Seite geschickt: http://umgang-mit-narzissten.de/therapieformen-bei-narzissmus/ .

Und auch hier werden wieder die Schwierigkeiten beschrieben, einem narzisstisch veranlagten Menschen zu helfen. „Er hat ja im Grunde gar kein Problem mit der Persönlichkeitsstörung, er fühlt sich wohl in dieser Rolle und nimmt die Beratung lediglich an, um ein noch besserer Narzisst zu werden.“ Dieser Satz auf der Seite hat mich zum Nachdenken gebracht. Mein Wunsch, während meiner Partnerschaft, dass mein Ex-Mann sich Hilfe sucht, wäre laut dieser Prognose ja nach hinten losgegangen und wäre nur zu meinem Schaden gewesen.

Während meiner eigenen Therapie fiel es mir schwer zu akzeptieren, wenn mein Therapeut sagte: Sie können ihm nicht helfen, sie können sich nur von ihm frei machen und sich selbst stärken. Heute weiß ich, dass es stimmt. Zum damaligen Zeitpunkt war ich noch zu sehr gefangen in dem, was ich jahrelang gehört habe. Da hab ich noch alleine die Schuld bei mir gesucht.

Hilfreich fand ich dabei die Gruppengespräche. Hier habe ich das erste Mal von außen, nur durch zuhören, gelernt, was das für ein Kreislauf ist. Ich habe anderen zugehört, die sich permanent die Schuld für etwas gegeben haben und den eigentlichen Verursacher dadurch immer in Schutz genommen haben. Anderen zuzuhören, wie auch sie immer wieder die gleichen Entschuldigungen gehört haben, die versprechen, dass alles besser wird, dass der Verursacher ‚an sich arbeiten ‚ will. Dass er selbst nicht versteht, warum er so aggressiv und ungerecht ist. Das war, wie mir selbst zu lauschen. Erst war ich wütend, auf die Erzähler, dann auf mich und dann auf meinen damaligen Mann. Aber es hat mir geholfen, den Teufelskreis zu durchbrechen und endlich an mir zu arbeiten. Herauszufinden, warum es so leicht war, mich zu manipulieren, mich an den Punkt zu bringen, an dem ich damals war. Das hat lange gedauert und war auch schmerzhaft. Und ich wollte auch diverse Male aufgeben. Zum Glück hatte ich einen Therapeuten, der das auffangen konnte und der mir geholfen hat, das durchzustehen.

In den Zuschriften, die ich bekomme, lese ich immer wieder: ‚dazu habe ich nicht die Kraft’ oder auch ‚das ertrage ich nicht’. Doch, das ertragt ihr, wenn der Leidensdruck groß genug ist.

Einige Zeit nach meiner Therapie fing ich dann an, mich eingehend mit Narzissmus zu beschäftigen. Und mit den verschiedenen Formen. Und deren gibt es so einige. Zuerst dachte ich: egal, es ist vorbei. Aber dann ist mir klar geworden, dass ich wieder in so eine Beziehung geraten kann, wenn ich nicht weiß, wovor ich mich schützen muss.

Ironischer Weise hat mir das mein Ex-Mann klar gemacht. Er wollte mich kränken und hat mir nämlich von seiner neuen Partnerin erzählt. Wie toll die doch ist, und wie tolerant. Dass sie sich nicht laufend beschwert und dass sie ihm seine Freiheit lässt und ihn nicht einschränkt. Dass es ihm gar nicht mehr auf das Äußerliche der Frau ankäme. Dass sie es ja schon so furchtbar schwer in ihrem Leben hatte und dass sie von Hartz4 leben würde. Und dass er sie zu sich ins Haus holen wolle, damit es ihr besser ginge, auch finanziell…… Und ich dachte nur: Oh mein Gott, dasselbe Schema. Hoffentlich ist sie stärker, als ich es damals war und rennt schneller weg.

Das Internet ist voll von Informationsseiten zum Thema Narzissmus. Für jeden ist etwas dabei. Auch aus dem esoterischen Bereich. Ich kann damit nicht viel anfangen, aber manch anderer schon. Unter ‚Links’ findet ihr ohne Wertung eine lose Zusammenstellung von Seiten. Narzissmus hat so viele Formen, so viele unterschiedliche Merkmale. Bis zum Ende meiner eigenen Therapie wollte ich das auch nicht wahr haben. Viele dieser kleinen Begebenheiten habe ich belächelt. Zum Beispiel, dass er an keinem Spiegel, an keiner spiegelnden Fläche (Schaufenster, Autoscheiben, Rückspiegel, glänzende Motorhauben) vorbeigehen konnte, ohne sich das Haar zu richten und sein Äusseres zu kontrollieren. Mir hat es ja Anfangs gefallen, mich um ihn zu kümmern, wenn er sich mal wieder ‚nicht wohl gefühlt hat’ und bei 22° mit Wollmütze und dickem Schal auf der Couch saß. Oder wenn er plötzlich Schmerzen in der Schulter hatte, die kein Arzt irgendwie diagnostizieren konnte. Viel zu spät hab ich erst die Zusammenhänge gesehen: Stand ein unangenehmes Gespräch an, wurde er krank und hat ‚gelitten’, weil ich ihm so zu schaffen machte, weil ich so ein schlechter Mensch bin. Spontanheilung setzte immer dann ein, wenn ich mich entschuldigt habe.

Heute weiß ich das und kann den Satz: „Das Opfer muss erkennen, dass es nichts verkehrt gemacht hat“ unterschreiben. (Zitat von der Seite: http://umgang-mit-narzissten.de/therapieformen-bei-narzissmus/) Und dennoch ist Kritik am eigenen Verhalten und genaues Hinschauen auf die eigenen Fehler nie verkehrt. Man darf sich nur nicht in die Opferrolle drängen lassen. Und das habe ich gelernt und das kann jeder lernen.

 

 

 

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Liebeserklärung an den Mann, der du einmal warst

Da war ein Mann, so feinfühlig und zärtlich, wie ich mir nicht vorstellen konnte, es würde ihn im realen Leben geben.
Du hast zugehört, hast deine Wünsche geäußert und mich dennoch nicht übersehen. Du warst zu mir und meinen Kindern hilfsbereit und lieb. Manchmal zu lieb. Du hast ihnen Sachen beigebracht, die sie ohne dich nie gelernt bzw. erfahren hätten.
Wir haben zusammen gelacht und geweint. Wir haben zusammen aufgebaut.
Wir sind auf Konzerte gegangen, haben uns in den Armen gelegen und uns glücklich angelacht. Wir haben alte Burgen erkundet und ein gemeinsames Hobby gefunden. Wir hatten ein gutes Leben. Ich war glücklich mit dir.
Du hattest Angst, und ich habe dich gestützt. Ich bin verzweifelt, du hast mir den Weg gezeigt und geebnet. Du warst da, wenn ich dachte, ich bin alleine. Ich hab dir die Hand gereicht, die du gerne genommen hast, wenn es bei dir nicht weiter ging.
Wir haben uns in einer Masse von Leuten gefunden, am Schloßgrabenfest, als wir dachten, wir können nicht miteinander. Aber wir haben uns unter 10000senden Menschen gefunden. Und auch da haben wir zusammen geweint, aber dann auch gemeinsam ins Lot gebracht.
Du warst für mich mein Licht und mein Mittelpunkt. Ich habe dich begleitet und dir vieles leichter gemacht, zum Beispiel auf der Jobsuche. Du hast mir dafür geholfen und für mich Steine aus dem Weg geräumt, die ich alleine nie hätte bewältigen können.
Du hast mich mitgenommen in eine andere Stadt, in ein neues Leben. Ich hab dir vertraut, wie nie einem anderen Menschen, ich hab dir meine Seele gegeben. Und du hast mich in deine blicken lassen.
Du hast mir eine andere Welt gezeigt. Die wollte ich tief im Herzen nicht, aber ich habe gelernt, sie zu lieben, denn du warst da. Ich bin für dich ans andere Ende Deutschlands gegangen. Und ich wäre für dich, mit dir ans andere Ende der Welt gegangen. Denn du warst mein Leben, mein zu Hause (das ich mein Leben lang gesucht habe), dich habe ich geliebt, auf dich habe ich gebaut, dir hab ich meine Seele gegeben, mit dir wollte ich weiter durch dick und dünn gehen. Für dich wollte ich aufgeben, neu anfangen, zurückstecken, fordern, für dich wollte ich stark sein, bei dir wollte ich schwach sein. Dich wollte ich lieben, von dir wollte ich geliebt werden, bis ans Ende unserer Tage…..

Und dann kam deine Krankheit heraus, deine Sucht….. und die hat alles zerstört.

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Was man nach einer Trennung so gar nicht gebrauchen kann:

  • Na, das hab ich dir ja gleich gesagt, dass das nicht gut gehen kann.
  • Was? Das glaub ich nicht! Der ist doch immer so nett, hilfsbereit und hat immer für jeden ein freundliches Wort
  • Mein Sohn/Tochter tut so was nicht, das bildest du dir alles ein
  • Was hast du denn gemacht, dass er/sie so reagiert hat? Kannst du nicht mal ein Auge zudrücken?
  • So ein netter Mann/Frau. Er hat uns ja schon gesagt, dass du schwierig bist.
  • Männer sind halt so, du musst toleranter sein.
  • Der/die Neue muss ne Schlampe/ein Penner sein.
  • Sei froh, dass du ihn/sie los bist!
  • Jetzt reiß dich mal zusammen!
  • Hast du auch ordentlich was raus geschlagen?
  • Also nach so vielen Jahren hätt ich mir das überlegt, ob ich weggehe, nach allem, was ihr Euch aufgebaut habt.
  • In deinem Alter noch mal bei 0 anfangen. Wenn das mal gut geht!
  • Hast du keine Angst, alleine alt zu werden?
  • Wärst du mal früher gegangen, dem/der hast du deine besten Jahre gegeben. Jetzt hast du ja auch ein ‚gewisses’ Alter, da wird das nicht mehr so leicht…
  • Jetzt wird alles besser.
  • Hast du schon jemand Neues? Du wirst ja auch nicht jünger!
  • Wie, du liebst ihn/sie immer noch? Trotz allem? Das ist krank. MIR würde so was nie passieren!

 

 

Manchmal würde es einfach nur reichen, wenn man in den Arm genommen wird, ohne dumme Sprüche. Denn glaubt mir, all die Fragen und Zweifel, die haben wir uns selbst schon gemacht und gestellt. Und weggehen ist nie eine leichte Entscheidung. Das macht niemand leichtfertig!

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Ekel und Sex

Gastbeitrag von Sybille W.

Mein Ex-Mann hat als ein Argument für seinen stundenlangen Pornokonsum angegeben, dass ich keine Lust auf Sex hätte und wenn, dann würde es mit mir keinen Spass machen.

Stimmt, ich hatte ab einem gewissen Zeitpunkt keine Lust mehr auf Sex mit ihm, denn ich habe mich geekelt. Das war das Resultat der Bilder, die ich von ihm gefunden habe. Bilder, die mir zeigten, in was für Kreisen er sich bewegte und was er alles gemacht hat. Ungeschützten Verkehr mit Männern und Frauen, die er sich im Internet und in einschlägigen Clubs gesucht hat.

Für mich gehört Sex in die Beziehung und ist etwas sehr intimes zwischen den Partnern! Etwas, was die 2 miteinander teilen, was sie verbindet, was zusammen erlebt und ausgebaut wird, für mich gehört Zuneigung und Vertrauen dazu. Und zu einer Partnerschaft/Ehe gehört für mich auch Treue. Das war nicht neu für meinen Mann, er wusste von Anfang an, wie ich darüber denke und er wusste auch, was ich in meiner ersten Ehe erlebt habe. Ich bin keine Frau, der es egal ist, durch welche Betten ihr Mann hüpft. (Mal ganz abgesehen vom Ansteckungspotential). Und ich käme und kam nicht auf die Idee, in einer Beziehung fremd zu vögeln.

Wenn mir die ‚Praktiken’ keinen Spaß machen, dann kann ich neue vorschlagen oder ihn animieren, etwas anderes auszuprobieren. Und das haben wir auch getan. Dennoch reichte nichts an die Dinge, die ich da über seine Bilder gesehen habe. Ich frage mich immer noch, warum er mir die Bilder ‚hinterlassen’ hat, so dass ich sie unbedingt finden musste.

Interessant war auch seine Reaktion, als ich ihn danach fragte. Die Bilder habe er ‚vergessen zu löschen’ und wären nie für meine Augen gedacht. Er sagte mir, er habe sich geschämt und er hätte die Sachen nicht mit seiner Partnerin machen wollen, weil sie ‚krank’ seien……! Das fand ich wiederum krank. Und er sagte mir, dass er damit nicht aufhören wollte. Das sei heutzutage ‚modern’ und ‚allemachen das’ und ich wäre ‚altmodisch’! Nun dann bin ich gerne altmodisch! Treu und vertrauen ist für mich die Basis einer Partnerschaft.

Das Vertrauen war gebrochen und ich war nicht bereit, das Fremdgehen mitzumachen und diese Beziehung fortzuführen. Ich habe die Scheidung eingereicht. Schade um den Mann und um die verlogenen Jahre, die ich mit ihm verbracht habe.

 

 

 

 

 

 

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Manchmal beneide ich dich

Momente, in denen ich dich manchmal beneide:

 

  • Du gehst ins Bett und schläfst. Egal, was passiert ist, egal, wie heftig der Streit war, wie schlimm die Dinge waren, die du mir an den Kopf geworfen hast. Du machst einfach die Augen zu und schläfst wie ein Baby, auch wenn ich neben dir liege und weine.
  • Du kannst dir deine Wahrheit machen, wie du sie brauchst. Du bist fest davon überzeugt, dass alles so ist, wie du es siehst. Du bist immer im Recht… und bist selbstgerecht.
  • Du kannst nicht lieben, so kann dich auch keiner verletzen. Und weil du keinen Schmerz fühlst, fühlst und siehst du auch nicht den Schmerz der anderen. Du kannst verletzen, ohne es zu merken.
  • Du richtest dich nach anderen und urteilst, wie sie urteilen, je nachdem, was dir gerade nützt. Du lebst dann einfach das Leben, das andere dir vorbeten und kannst immer sagen: „Das hab ich nicht entschieden, das hat XY gesagt. Tut mir leid, ich hab mich beeinflussen lassen“ Und wieder bist du fein raus.
  • Du kannst davonlaufen. Manchmal flüchtest du dich einfach nur in ‚Krankheit’ und schaffst es, dass man dich deshalb nicht hart angeht, dafür kümmert man sich um dich und hat ein schlechtes Gewissen, weil man aufbegehrt hat. Oder du läufst aus dem Haus. Beide Male entgehst du der Konfrontation, du drückst dich.
  • Du hast die Fähigkeit, alles und jeden zu vergessen und brutal aus deinem Leben auszuschließen, was nicht nach deiner Pfeife tanzt, was unangenehm wird. Wenn es dir zu anstrengend oder kompliziert wird, dann schmeißt du die Dinge oder Menschen einfach raus und vergisst sie. Du zerstörst mit Präzision und Boshaftigkeit alle Gegenstände und Erinnerungen an Menschen und Begebenheiten. Dann stürzt du dich auf jemanden oder etwas anderes. Darum machst du auch nie etwas fertig, darum verlierst du auch das Interesse und schluderst bei deinen Aufgaben.

 

Manchmal würde ich auch gerne einfach nur schlafen, ohne schlecht zu träumen und zu grübeln.

Manchmal möchte ich mir mein Umfeld auch gerne so zurechtbiegen, wie es mir passt. Einfach mal ein bisschen die Tatsachen verdrehen, so dass ich in der guten Position bin und nie unrecht habe. Dass ich nicht über mich nachdenken muss und über das, was ich vielleicht falsch mache.

Manchmal möchte ich dich auch nicht lieben können. Dann würd ich auch keinen Schmerz empfinden und du könntest mich nicht verletzen.

Manchmal möchte ich auch krank sein, nur damit du dich mal um mich kümmerst. Und manchmal möchte ich auch einfach davon laufen, damit ich nicht mehr erleben muss, was mit uns passiert.

Manchmal möchte ich dich auch vergessen. Einfach durch jemanden anders ersetzen, und den rede ich mir dann auch schön und sag mir, dass es mir jetzt besser geht und dass ich mein ‚Leben aufgeräumt habe’

 

Aber ich bin ich. Ich hab Verantwortungsgefühl, ich kann fühlen, was andere empfinden, ich sehe, wenn ich falsch liege. Ich halte, was ich dir verspreche. Ich bin für dich da, wenn du mich brauchst und wenn es dir schlecht geht. Ich bin nicht oberflächlich. Und ich kann lieben und Liebe geben.

Ich bin ich.

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Total OFF-Topic

Es gibt Music, die einen das ganze Leben lang begleitet. Zugegeben, ich bin da wirklich extrem! Ich hab in meiner frühen Jugend angefangen, für eine Band zu schwärmen und das hat sich bis heute icht gegeben. Wenn es mir mies geht, dann mach in den Plattenspieler an und leg meine Vinyls auf. Nein ich bin nicht bekloppt…. oder doch… mir doch egal, was ihr über mich denkt… Na Thomas… kommste klar damit?

 

oder auch

 

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Narben

sind Zeichen der Heilung nach einer schlimmen Verletzung. Sie dokumentieren eine Begebenheit, in der ein Mensch körperlich ‚beschädigt’ wurde. Sie verblassen vielleicht nach einiger Zeit, aber sie verschwinden nie ganz. Sie gelten sogar als unveränderliches Kennzeichen.

Aber auch die Seele kann Narben haben. Sie sind nicht sichtbar, aber auch sie verblassen. Meist braucht das länger, als nach einer körperlichen Verletzung, denn die Wunden sind oft tiefer. Auch sie verschwinden niemals ganz. Man behält auch sie ein Leben lang.

Niemand kommt auf die Idee, körperliche, äußerlich sichtbare Narben zu verniedlichen. Aber in vielen Zuschriften und Diskussionen finde ich manchmal seltsame Formulierungen für die seelischen Narben. Das geht von „Närbchen“, „Überbleibsel’, „Wachstumslinien“ , Schnitzerchen“, „Kratzerchen“ oder auch „Meine persönlichen Baumringe“.

Für mich denke ich, wenn man die seelischen Narben verniedlicht, dann verniedlicht man auch die Erlebnisse, die dazu geführt haben. Warum? Die OP-Narben, oder Narben nach einem Autounfall verniedlicht man doch auch nicht! Muss man sich für seelische Narben schämen? Sind sie ein Makel? Klar: NEIN! Man schmälert damit die Leistung und Anstrengung, die man für die Heilung brauchte. Und das sollte genau so wenig passieren, wie sie permanent zur Schau zu tragen und sich in seinem Schicksal zu suhlen.

Ich hab gerade in den letzten paar Jahren einige sehr hässliche und breite seelische Narben davon getragen. Für mich sind sie, was sie sind: Narben, die geheilte Wunden darstellen, die mir geschlagen wurden. Sie sind geheilt, aber ich hab sie und werde sie auch nicht verlieren, genauso wenig, wie meine Blinddarmnarbe. Sie sind, was sie sind! Narben, ein Zeichen der Heilung, die ich mir selbst erarbeitet habe!