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Wage es ja nicht, mich anzuzeigen!

In der ein oder anderen Form kennen das die meisten Betroffenen. Nach dem Ende der Beziehung gibt es Missgunst, manchmal auch Hass, die Verletzungen gehen weiter und Drohungen können an der Tagesordnung sein. Menschen, die sich aus einer Beziehung gelöst haben, die durch seelische Grausamkeit und/oder das narzisstische Verhalten des Partners geprägt waren, erleben das oft in besonderer Härte. Durch die Trennung hat man sich dem Machtbereich entzogen und dafür soll man noch im nachhinein bestraft werden.

In unserem letzten Chat war das ein großes Thema. Im speziellen Fall ging es darum, dass eine Frau von der Unterschlagung und einem Meineid ihres Ex-Partners wusste. Durch den Meineid wurde in diesem Fall dann auch eine andere Person nachhaltig geschädigt, in finanzieller und auch beruflicher Hinsicht. Der Täter setzte nun seine ehemalige Partnerin mit all den längst bekannten Aussagen und Androhungen unter Druck! Aber nicht nur in solchen Fällen denkt man über eine Anzeige nach und sollte es auch. Gerade, wenn psychische oder physische Gewalt gegen einen selbst oder andere ausgeübt wird, ist das das einzige, was nützt!

„Wenn du mich anzeigst, werde ich mich zu wehren wissen.“ und „Du wirst schon sehen, was du davon hast“.  „Ich werde deiner Familie erzählen, was du für eine bist“,  „Dir glaubt ja sowieso keiner, dafür habe ich schon gesorgt“ und auch immer wieder gerne genommen: die Manipulation: „Du willst mir doch nur schaden und selbst als Opfer da stehen“.

Und genau der letzte Satz ist der, der die betroffene Person oft am meisten hemmt und ängstigt. Man weiss ja um die Dinge, die in der Beziehung vorgefallen sind, um die Masche, darum, dass nach aussen die freundliche und liebenswerte Fassade des Täters aufrecht erhalten wird, koste es, was es wolle. Man hat den Unglauben in den Gesichtern der Menschen gesehen, denen man sich dann endlich einmal anvertraut hat. „Der ist doch immer so nett, zurückhaltend und hilfsbereit!“ Das ist Manipulation und als solche solltet ihr es auch sehen und erkennen.

Es fehlt dem Täter das komplette Unrechtsbewusstsein. Nicht wir sind in der Rolle des Opfers, sondern eigentlich er. Denn er ist Opfer seiner eigenen Vor- und Einstellung, seiner Zwänge und seiner Krankheit.

Am liebsten möchte man gerne die Anzeige machen, hat aber Angst vor den Folgen. Es gibt auch keine legale Art, eine wirklich anonyme Anzeige zu machen. Spätestens, wenn der Betroffene sich einen Anwalt nimmt, der Akteneinsicht verlangt, steht da dann der Name des Anzeigenerstatters. Dessen muss man sich bewusst sein. Und dann ist auch wieder die Angst vor den Repressalien da. Auf der anderen Seite macht man sich wiederum strabar, wenn man Kenntnis von einer Straftat hat und diese nicht anzeigt. Also ein zweischneidiges Schwert. Selbstschutz vor dem Täter, oder Selbstschutz vor dem Gesetz.

Im Laufe des Chats hat uns dann eine Frau von ihren Erfahrungen mit dem http://weisser-ring.de/ erzählt. Sie hat dort auf der Homepage den für sie richtigen Kreisverband herausgesucht und sich dort gemeldet. Dort bekam sie dann auch aktive Hilfe und jemand von dort hat sie auch zur Polizei begleitet. Sie bekam emotionale, wie auch rechtliche Hilfe. Das hat sie selbst gestärkt, den Weg zu gehen, den sie für sich als richtig empfunden hat und mit dem sie am besten leben konnte.

Wie auch immer ihr euch entscheidet, sucht euch Hilfe, geht nicht alleine zur Polizei. Und sagt dort auch ganz klar, dass ihr Angst habt, vor dem, was passieren könnte, bzw. was euch angedroht wurde. Wenn ihr euch gar nicht getraut, dann sucht einen Anwalt auf. Habt ihr kein Geld dafür, dann gibt es Hilfen dazu. Was ihr wie beantragen müsst, kann euch der Anwalt sagen. Meistens machen die auch den Papierkram für euch und ihr braucht bei keinem Amt vorsprechen. In schlimmen Fällen, wenn die Bedrohung zu schlimm ist, oder in der beziehung bereits körperliche Gewalt angewendet wurde, kann auch ein sog. Näherungsverbot ausgesprochen werden. Das beantragt auch der Anwalt und das geht meist sehr schnell.

Auch Frauenhäuser, die Caritas, Sozialstationen und auch örtliche Pfarrer oder Pastoren helfen da weiter, auch wenn ihr nicht dort wohnt, bzw der Kirche angehört. Sie haben zumindest Adressen, die weiterhelfen.

Soweit die Zusammenfassung unseres letzten chats. Wenn ihr am Nächsten teilnehmen möchtet, dann schreibt mir an sonjasblog@arcor.de. Ich sage euch dann, wie es weitergeht.
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Zu viel

Das ist wunderschön geschrieben! In der Liebe darf man alles wollen, aber gemeinsam muss man es zu erreichen versuchen.

Sylvia Kling - Literatur

Aus „Neue Gedichte“ – für das Buch „Von Morgenseelen und Eisbrecherferne“

Ja, die Liebe – immer wieder ist es die Liebe, die uns hält, die uns träumen, innehalten, verweilen und auch manches Mal leiden lässt.

Ich wünsche Euch ein zauberhaftes Wochenende und passt gut auf Euch auf.

Eure Sylvia Kling

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Karma ? Gibt es das?

Wikipedia schreibt dazu: Karma (n., Sanskrit: कर्म karman, Pali: kamma „Wirken, Tat“) bezeichnet ein spirituelles Konzept, nach dem jede Handlung – physisch wie geistig – unweigerlich eine Folge hat. Diese Folge muss nicht unbedingt im gegenwärtigen Leben wirksam werden, sondern sie kann sich möglicherweise erst in einem zukünftigen Leben manifestieren. (https://de.wikipedia.org/wiki/Karma)

Geht man auf google Bildersuche, gibt‘s da nette Sachen, Bildchen mit sinnigen Sprüchen oder auch einfach nur Texte. Manche weniger schlau, andere witzig!

Ich persönlich glaube schon an Karma, oder von mir aus auch ‚ausgleichende Gerechtigkeit‘ ,wie man auch immer das nennen mag. An Gott, wie ihn die Kirche propagiert und interpretiert, glaube ich nicht. Aber ich glaube schon an eine Art spirituelle Macht. Und ich glaube auch daran, dass keine Tat, ob gut oder schlecht, ungesühnt bleibt. Das konnte ich in beiden Richtungen schon erleben.

Ist es eine Art ‚richten‘? Manchmal schon! Menschen, die einem absichtlich Schaden zufügen, können keine glücklichen Menschen sein, denn sie beschäftigen sich nur mit schlechten Sachen. Daraus kann kein Glück entstehen. Und Glück hat für mich auch etwas mit Karma zu tun. Wenn man gut zu anderen ist, kommt auch Gutes in das eigene Leben. Das ist meine Überzeugung.

Ich kann mir auch vorstellen, dass es so etwas wie gute und schlechte ‚Aura‘ gibt. Ein Mensch der immer mit steiler Stirnfalte und verkniffenem Mund rumläuft, verbreitet meist auch ein ungutes Gefühl. Menschen mit einem fröhlichen und lachenden Gesicht finden schneller Kontakt und Freunde, sind nicht ausgegrenzt.

Karma im Sinne von ‚verwünschen‘? Nein, das wäre nicht klug, denn dann denke ich etwas Schlechtes, wünsche einem anderen Menschen ein Unglück. Ja klar, dem ein oder anderen wünschen wir alle mal die Pest an den Hals….. ! Ist aber doch mehr eine Redewendung, würde ich sagen. Und/oder im ersten Moment einer Wut oder tiefen Enttäuschung ausgesprochen.

Ausgleichende Gerechtigkeit? Hm, ja, ich glaub schon an so etwas…. Und ich kann mir auch vorstellen, dass Dinge nicht zwangsläufig in einem Lebenszyklus passieren müssen. Dinge, die man tut, haben Folgen, ob jetzt oder später, kann man nie vorhersagen.

Gehilfen des Karmas? Ja, denke schon, dass es die gibt. Wer mir Gutes tut, der arbeitet für das (gute) Karma. Wer einen Kriminellen zur Strecke bringt, auch der ‚hilft‘ dem Karma, denn er tut Gutes für die Geschädigten.

Ursache und Wirkung, das ist es eigentlich für mich. Ähnlich wie beim Domino. Auf eine Aktion folgt eine Reaktion….. im Guten, wie im Schlechten.

Darum sollten wir eigentlich immer unser Tun prüfen, ob es gut und sinnvoll ist, oder ob wir damit jemandem schaden. Je nach Charakter kann das dann auch klappen.

Rache.

In dem Zusammenhang ein gefährlicher Gedanke. Denn es ist ja ein Kreislauf. Und manchmal ist es eine größere ‚Strafe‘ für denjenigen, der einem Böses getan hat, wenn man nicht reagiert.

Das ist die Theorie 😀 ! Die Praxis kann da ganz anders aussehen. Und ich verstehe das sehr gut. Jeder hat zu Zeiten Rachegelüste, ob man sie auch auslebt, das ist die Frage. Und um es ganz klar zu sagen: Es gibt Dinge, die können den heiligsten Menschen dazu bringen, sich zu überlegen, was man denn alles ‚Nettes‘ tun könnte, um dem Gegenüber endlich den Schneid abzukaufen. Das wird besonders dann schwierig und schwer im Zaun zu halten, wenn ignorieren nicht hilft. Wenn es keine Ende nimmt. Ignorieren geht nicht, denn der Rachegrund betrifft mich ja persönlich immer wieder. Reicht es mir, dann eine Runde laufen zu gehen, oder in einen Sandsack zu hauen? Ehrlich gesagt: nein! Ich würd dann am liebsten…… Und dann male ich mir alles aus, was ich tun könnte, bis ins kleinste Detail…. Und dann geh ich schlafen…. wache am am nächsten Morgen auf und muss meistens lachen….. Und denke mir: Karma wirds schon richten…. und mach selber gar nichts.

Bis jetzt klappt das ganz gut und ich hoffe, es kann auch so bleiben……..

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Das eigene Heim

Warum ist das eigene Heim so wichtig? Warum will man nicht, dass der Ex-Partner es betritt? Warum schirmt man sich ab?

Nun, es ist ein Neuanfang. Der erste Schritt zurück in ein eigenständiges Leben. Viel Kraft hat man in die Trennung gesteckt, das variiert, je nachdem, wie sich die Gegenseite verhält und vor allem, warum man gegangen ist. Die alten Verletzungen wollen, sollen und müssen heilen. Die Frauen, die mir hier schreiben, benennen es oft als ‚Schutzraum‘. Die Sicherheit, die sie in ihrem alten zu Hause nicht hatten, wünschen sie sich hier. Sie können es gestalten, wie sie wollen. Wie es ihnen gut tut. Die einen brauchen und wollen dazu einige Dinge, mit denen sie sich einmal wohl gefühlt haben. Die anderen besorgen sich alles neu. Beides ist richtig und gut, solange es ihnen auf ihrem neuen Weg hilft.

Es gibt Paare, die es wirklich schaffen, noch gemeinsam Feste zu feiern, eine Firma gemeinsam zu leiten und sich friedlich zu begegnen. Das ist der extrem seltene Idealfall. Den Willen dazu haben die meisten Paare, die sich trennen. In den Mails lese ich allerdings oft, dass dann manchmal nur eine Kleinigkeit reicht, um das zu Nichte zu machen.

Frauen, die sich von einem narzisstisch veranlagten Partner getrennt haben, beschreiben häufig, dass es Anfangs gut ging, dass man noch lange Gespräche geführt hat und auch friedlich miteinander umgegangen ist. Da war dann auch der Besuch des Ex in der eigenen Wohnung für sie in Ordnung. Das hat sich für sie allerdings schlagartig geändert, nachdem die Frauen sich immer mehr ‚abnabelten‘ und immer mehr anfingen, ein eigenes Leben zu führen. Was Anfangs noch als Lob und Anerkennung verstanden werden konnte, rutschte mit der Zeit immer mehr in alte Verhaltensmuster. Es kommt wieder zu unfairer Kritik, die Wohnungseinrichtung wird kritisiert, der Umgang, das Aussehen, das Verhalten. Die Frauen beschreiben dann auch, wie schwer es ist, dann den Kontakt zu reduzieren und ‚ihn‘ fern zu halten. In dem Zusammenhang fallen dann auch schon mal Formulierungen wie: ‚und da begann der Kampf ums eigene Leben von vorn!‘ Für Frauen, die körperliche oder seelische Gewalt erfahren haben, ist das totale Abgrenzen, die totale Kontaktsperre lebenswichtig.

Ganz anders bei den Frauen, die sich von einem pornosüchtigen Partner getrennt haben. Für sie geht es in erster Linie und von Anfang an um die ‚Reinheit‘, das ‚Unbefleckte‘. Sie haben ihre Männer in Situationen erlebt, die sie selbst als unangenehm, betrügerisch, verletzend und demütigend für sich selbst empfunden haben. Die neue Wohnung soll ein Platz sein, der frei ist von den Bildern, die sie durch ihn in ihrem Kopf haben. Durchweg alle haben geschrieben, dass sie sich als allererstes ein neues Bett und Bettzeug besorgt haben. Man kann sich auch mit ihm treffen und sich unterhalten. Aber nur auf neutralem Boden, am besten weit weg vom neuen zu Hause. Den körperlichen Kontakt (Umarmung, Händeschütteln etc.) lehnen viele der Betroffenen ab. Manche sprechen ganz ‚neutral‘ von Ekel, andere drücken es flapsiger aus: „ Wer weiß, wo die Hand war“.

Die dritte Gruppe ist die der Frauen, die mehrere Anläufe für eine Trennung gebraucht haben. Manchmal haben sie es erst nach 3 oder 4 Anläufen geschafft. Neben all den anderen Gründen, die vielleicht aus den oben Genannten auch zutreffen mögen, ist bei diesen Frauen die Angst vor dem ‚weich werden‘ die Größte. Sie haben Angst, sich wieder einwickeln zu lassen, wieder zurück zu gehen. Sie wissen genau, dass es dann wieder nur für eine kleine Weile gut geht, und alles wieder von vorn anfängt. Und mit jedem weiteren Versuch sinkt der Mut und vor allem die Kraft. Sie grenzen sich ab, weil sie nie wieder zurück wollen, sich quasi vor sich selbst schützen. Dazu gehört eine große Entfernung und eben auch, dass der Ex nicht mehr in greifbare Nähe kommt.

Ich habe hier einige Mails, die ich erhalten habe, zusammen in einem Text erfasst und wiedergegeben. Bei einigen Frauen überschneiden sich die Beweggründe, bei anderen wiederum ist es ‚nur‘ ein Grund. Das Ziel ist das Gleiche: Sie möchten für sich sein und den Mann, vor dem sie weggelaufen sind, nicht wieder nahe an sich heranlassen…. Auch nicht, um beim Umzug zu helfen, oder (was für viele eine wahnsinns Horrorvorstellung ist) Nachts, wenn sie schlafen, Kartons vor die Tür gestellt bekommen. Das würde das Sicherheitsgefühl, das sie sich so hart erkämpft haben, komplett zerstören.

Egal, um welche Gruppe es sich handelt:

Der Sicherheitsabstand muss gewahrt bleiben!

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Happy days

6 Uhr morgens, die Sonne scheint mir ins Gesicht und ich lächle. Ich habe wieder eine ganze Nacht geschlafen, ohne schlechte Träume und Schweißausbrüche. Ich bin nicht nachts aufgeschreckt, ich habe erholsam geschlafen.

Und gestern war wieder ein Tag, an dem ich nicht die Hände zu Fäusten gemacht habe, um mich selbst zu spüren.

Ich laufe lange Strecken und mir geht es gut dabei. Meine Gedanken gehen in die Zukunft. Keine Angst mehr vor dem Tag zu haben, ist ein wunderbares Gefühl.

Vor 3 Tagen war ich auf der Hochzeit meines Sohnes! Party! Und es wurden Bilder gemacht. Das erste Mal seit Jahren hat es mir nichts mehr ausgemacht, im Gegenteil. Ich freu mich auf die Bilder. Das ist für mich ein Riesenerfolg. Ich hab mich freiwillig und wissentlich fotografieren lassen. Und es war mir egal, was die anderen über mich und mein Aussehen denken. Ich hab es endlich wieder genossen, unter Menschen zu sein, zu lachen und Spaß zu haben. Und ich konnte endlich wieder Komplimente annehmen und glauben!

In der letzten Woche habe ich eine neue Bekanntschaft geschlossen, aus der eine tolle Freundschaft werden kann. Weil ich mich endlich wieder etwas getraut habe. Ich habe mich auf andere Menschen eingelassen, ohne Angst im Nacken, wie ich wohl ‚be- und/oder verurteilt‘ werden könnte, welche Vorwürfe es am Abend zu Hause hageln würde. Ohne zu schaun, ob ich missbilligend angeschaut werde. Ich war ich! Endlich wieder offen.

In den letzten Monaten hatte ich viel Besuch! In meiner Wohnung und an meinem Tisch! Wir haben bis spät in der Nacht gesessen und geredet. Oder ein ander Mal einfach nur auf einen Kaffee bei mir geklingelt. Meine Gäste haben sich wohl gefühlt und waren willkommen. Niemand fühlte sich als Störenfried, niemand brach überstürzt auf, niemand fragte: bist du alleine, kann ich kommen, ich will ja nicht stören?

Im letzten Jahr bin ich wieder kreativ gewesen. Ich hab Neues ausprobiert und ein neues Hobby gefunden. Ich habe Lob bekommen für meine Arbeit. Auch Anregungen und Kritik, ja sicher! Aber die war nicht verletzend und herabwürdigend, sondern sie war freundlich vorgebracht und sollte und hat mich weiter gebracht. Ich habe wieder Spaß am Lernen und am Leben. Was ich gemacht habe, zeige ich wieder ohne Bauchweh und Angst und Selbstzweifel…

Im letzten Jahr habe ich wieder angefangen zu leben!

Veröffentlicht in Allgemein, der verkannte Narzisst, Narzissten

Die Rache des kleinen Mannes….

Gastbeitrag von SuS.

Als ich vor 3 Jahren meinen Mann verlassen habe, konnte ich aus Platzmangel nicht alle Sachen mitnehmen. War aber zu dem Zeitpunkt nicht weiter schlimm, denn wir hatten uns darauf geeinigt, dass ich die Dinge nach und nach bekomme, bzw. dass er sie mir in unserem Haus einlagert. Genug Platz ist ja. Und ich hab mich wirklich gefreut, dass es so ‚friedlich‘ abgehen sollte.

Ich hatte auch erst mal genug mit mir selbst zu tun, hab eine lange Therapie gemacht, um herauszufinden, „was mit mir nicht stimmt“. Über diese lange Zeit (fast 1 Jahr) stellte sich dann heraus, dass ich mich in einer ungesunden Beziehung mit einem narzisstisch veranlagten Mann befunden habe. Der Grund, warum ich ihn verlassen habe, war aber ein anderer. Seine Pornosucht. Dass sein Verhalten zusätzlich narzisstische Züge und Handlungen hatte, wurde mir erst während der Therapie klar. Es hat lange gedauert, bis ich das akzeptieren konnte und wirklich überwunden habe ich die Selbstzweifel und Verletzungen, die ich mir habe über 15 Jahre hin gefallen lassen, noch immer nicht ganz. Aber ich habe viel Kilometer zwischen mich und ihn gebracht und das ist auch gut so. Und ich gebe mir die Zeit, die ich brauche, um wieder zu heilen. Stück für Stück bekomme ich mein Leben wieder.

Aber es gab auch immer wieder Rückschläge, die mich wieder sehr mitgenommen haben und einiges von den ‚Erfolgen‘ die ich mir erarbeitet habe, zu Nichte machten. Wieder neue Verletzungen und telefonische Demütigungen. Damit umgehen, war sehr schwer. Das ging eigentlich erst, nachdem ich mir klar machen konnte, warum das immer noch passiert. Warum nicht endlich Ruhe sein kann, und warum er sich nicht an Absprachen hält und Versprechen einhält.

Wenn man so lange zusammen ist, lernt man viel über den anderen, man kennt die Punkte des anderen, an denen man verletzen und treffen kann. Man weiß, wo es so richtig weh tut. Und man hat somit eine ‚Waffe‘ in der Hand. Ich habe lange gebraucht, bis ich verstanden habe, wie das funktioniert und wie ich da ‚hinein schliddern‘ konnte. Und ja, ich weiß mittlerweile auch, dass sowohl die narzisstische Veranlagung, wie auch die Pornosucht eine psychische Störung/Krankheit ist.

Mein Mann wusste zum Beispiel, dass ich einige Sachen zurücklassen musste, die mir viel bedeutet haben. War zu dem damaligen Zeitpunkt nicht schlimm, denn ich sollte sie ja wieder bekommen. Später musste ich dann um jedes einzelne Stück ringen und habe nur einen kleinen Bruchteil zurück bekommen. Das Meiste hat er dann auf Verkaufsplattformen verkauft, teilweise zu einem Spottpreis, oder es wurde zerstört und/oder weggeworfen.

Das hat mich traurig gemacht und wieder tief getroffen. Bei Bedarf gehe ich immer noch ab und an zu therapeutischen Sitzungen. Und ja, anfangs, als ich das mitbekommen habe, da hatte ich großen Bedarf. Ich habe nicht verstanden, warum ein Mensch, der mich einmal geliebt haben will, mir jetzt, wo er doch hat, was er wollte, immer noch unbedingt weh tun muss. Bis wir dort herausgearbeitet haben, warum das passiert: Es ist seine Form der Rache. Sonst hat er mich nicht mehr unter Kontrolle, er kann mir nichts mehr tun. DAS ist das einzige, womit er noch ein kleines bisschen seiner früheren Macht über mich ausüben kann. Und das nutzt er! Und er hatte damit Erfolg. Ich hab um viele der Dinge geweint, weil es teilweise Stücke waren, die mit meinen Kinder aus 1. Ehe zu tun hatten, oder mit meinen Großeltern, meine Bücher, die ich über 40 Jahre hin gesammelt habe. Ich war richtig unglücklich.

Mittlerweile konnte ich mich davon ‚befreien‘. Ab und an schaue ich noch mal hin, nur um zu sehen, was es mit mir macht. Und ich ertappe mich mittlerweile dabei, dass ich sogar lächeln muss, wenn ich das sehe. Denn es hat keine Wirkung mehr.

Und ich schaue mit Bedauern hin. Bedauern für ihn, weil er das immer noch machen muss. Aber auch mit einer Art Glücksgefühl, weil ich meine Lektion gelernt habe. Eine davon war, mich nicht mehr emotional an Dinge zu hängen. Eine andere war, nicht mehr bedingungslos zu vertraun. Mehr nach mir selbst zu schaun. Und vor allem: Ich mag mich selbst wieder und bin stolz auf das, was ich wieder erreicht habe. Denn das war ich alleine!

Veröffentlicht in Allgemein, über Pornosucht

Mein Kommentar

Beim recherchieren bin ich auf den Blog:

http://sexualtherapie.online/blog/wie-erkennt-man-pornosucht/#comment-2008

gestossen. Hier mein Kommentar zu diesem Beitrag:

Im Prinzip stimme ich Ihnen zu. Allerdings halte ich die Aussage: „… wenn die Frau weniger Lust hat, als der Mann….“ für zu oberflächlich und in vielen Fällen für schlichtweg falsch und auch gefährlich. Damit wird der Frau eine gwisse Teilschuld angelastet, die sie im Allgemeinen schlicht und einfach nicht hat. Und es stürzt die Frau, wenn sie diese These denn annimmt, in große psychische Probleme. In einer Beziehung mit einem pornosüchtigen Mann erlebt die Partnernin ohnehin schon genug Anschuldigungen und ungerechtfertigte Unterstellungen. Das gehört zum Verschleierungsverhalten des Süchtigen, sowohl bei Alkoholmißbrauch, wie auch bei der Pornosucht.

Während meiner Arbeit mit/an dem Thema habe ich viele Betroffene kennengelernt, die schon in der  ‚Vor-Internet‘ Zeit pornosüchtig waren, damals ihre Sucht mit Heftchen, anonymen Peepshows, Spanner-Verhalten usw. ausgelebt haben. Ich habe mit Männern gesprochen, die teils schon seit über 30 Jahren süchtig waren, lange bevor sie in eine Partnerschaft ‚eingestiegen‘ sind. Das Internet mit seinem massigen Angebot fördert die Sucht heute. Unzählige Seiten mit immer krasseren Praktiken und Bildern sind leicht zugänglich und ermöglichen es, unbegrenzt und immer schneller die ‚Dosis‘ zu erhöhen. Seitensprung-Agenturen und entsprechende Werbung im (Spät-) TV suggerieren dem Süchtigen, dass es normal ist, seine Frau als langwweilig zu empfinden und deshalb eine entsprechende ‚Hot-Line‘ anzurufen, einen Seitensprung zu begehen usw.. Dabei bekommt der Süchtige eine Art Absolution für seine Sucht, und sein Unvermögen, realen Sex zu haben. Er darf beruhigt weitermachen, weil das Problem ja nicht bei ihm liegt.

Ja, der Pornosucht liegen sicher psychische Störungen und/oder Erkrankungen zu Grunde. Und ja, die kann auch nur in einer professionell durchgeführten Therapie behandelt werden. Und wie bei allen Therapiene, kann es hier nur einen Erfolg geben, wenn der Betroffene das auch wirklich will. Leider ist die Scham immer noch viel zu groß, dieses Thema offen anzugehen und/oder zuzugeben. Genau wie bei der Alkoholsucht, leiden nicht nur die Betroffenen, sondern auch die Familien und Partner darunter.